Tobias Rathjen – paranoid schizophren?

Man muss ja wirklich kein Psychiater sein, um bei der Lektüre des „Manifests“ und anderer digitaler Hinterlassenschaften des Hanau-Amokläufers zu erkennen, dass der Autor wohl schon seit vielen Jahren nicht mehr alle Tassen im Schrank gehabt hat. Traurig, dass niemand die Warnzeichen erkannt hat. Lässt das, was Rathjen für seinen Nachlass zusammengeschrieben und -gefilmt hatte, möglicherweise auf einen Fall von paranoider Schizophrenie schließen?

Vergleichen wir mal einige Schlüsselsätze im Manifest mit Beschreibungen der typischen Krankheitsbilder, wie sie die Online-Portale Neurologen und Psychiater im Netz (Link) sowie psycom.net zur Schizophrenie publiziert haben.

Symptom 1: Die „Ich-Störung“

Dabei geht es um folgendes:

„Betroffene glauben z.B., Außenstehende könnten ihre Gedanken lesen, beeinflussen oder sogar „wegnehmen“. Manche Patienten berichten, dass sie sich von außen manipuliert, ferngesteuert oder auch hypnotisiert fühlen.“

Gleich in den ersten Absätzen – und vor dem politisch-rassistischen Teil seines Manifests – erklärt Rathjen:

„Ich werde nun beschreiben, warum ich weiß, dass ich von einem Geheimdienst überwacht werde …“

Kein gewöhnlicher Geheimdienst, sondern einer mit übersinnlichen Fähigkeiten …

„Es gibt Menschen, die die für diesen „Geheimdienst“ arbeiten, welche in der Lage sind, die Gedanken eines anderen Menschen lesen zu können…“

Und die überwachen nicht nur – die manipulieren laut Rathjen vor allem auch:

„… und darüber hinaus fähig sind, sich in diesen „einzuklinken“ und bis zu einem gewissen Grad eine Art „Fernsteuerung“ vorzunehmen“

Eng damit zusammen hängt das, was die Ärzte bei psycom.net als „Thought Broadcasting“ beschreiben: „Fremde Mächte“ fangen bei Betroffenen Gedanken von „historischer“ Tragweite ein („klinken“ sich ein) und verwenden diese für unlautere Zwecke, d.h. für politische und andere Manipulationen. Oder in diesem Fall für Fernsehserien. Oder sogar für Fußball-Strategien.

Dadurch, dass Rathjen die „dunklen Machenschaften“ des Geheimdienstes irgendwann durchschaut hatte und schließlich seine Gedanken (in seiner Wohnung usw.) „laut“ artikulierte (statt sie nur zu „denken“), habe er für die unbekannten – aber offenbar schwer beeindruckten – Schlapphüte eine Sonderrolle eingenommen:

„Da ich höchstwahrscheinlich der Einzigste [sic!] unter der Bevölkerung war, der das was sie tun, richtige [sic!] erahnte, bin ich für sie zu einem ambivalenten Fall geworden.“

Das leitet auch schon über zu …

Symptom 2: Der „Größenwahn“

Hierzu die Neurologen und Psychiater im Netz:

„Der Betroffene fühlt sich (…) in religiöser bzw. politischer Hinsicht für eine große Aufgabe berufen (Größenwahn).“

Oder etwas konkreter bei psycom.net: „Delusions of grandeur. This is a belief that you are an important, powerful, or famous person. (…) You may believe you also have special powers, such as an ability to know the future.“

Rathjen ist sich sicher:

„Die USA justiert ihre Großstrategie nach meinen Vorstellungen aus und Hollywoodfilme werden nach meiner Inspiration verfilmt.“

Gemeint sind damit unter anderem die Kriege im Irak und in Afghanistan 2001ff. sowie die Übernahme der Präsidialmacht in den USA durch einen Millionär – offenbar ist Donald Trump an dieser Stelle im Manifest gemeint?

Zudem basierten die Ideen für die US-Serien „Prison Break“ und „Vikings“ auf seinen geklauten Einfällen, so Rathjen.

Symptom 3: Sonstige Wahnvorstellungen

Richtig gaga wird es im Video – gemeint als „Weckruf“ an die USA:

„your country is under control of invisible secret societies …“

Die „Gedanken-Einklinkerei“ der Geheimdienste sei nicht auf Deutschland beschränkt:

„they use unknown evil methods like mind control and hold up a modern system of slavery …“

Zum Finale kommt der Satan selbst ins Spiel:

„in your country exist (…) underground military bases, in some of them they praise the devil himself …“

Fürs Erste: Die beste Extremismusbekämpfung wäre im Fall T.R. wohl eine rechtzeitige psychiatrische Versorgung gewesen.

-MR

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