Jennifer Fairgate oder Jean-Yves Fagède?

Kleine Buchstabenspielerei zum Fall der sogenannten Plaza-Frau, 1995. Die Merkwürdigkeiten fangen ja bereits bei den Vor- und Nachnamen an, auf welche die mysteriöse Anruferin im Mai das Hotelzimmer in Oslo gebucht hatte. Der Rezeptionist notierte während oder nach dem Telefonat bekanntlich Jennifer Fairgate und vermerkte als zweiten Gast einen Lois mit gleichem Nachnamen. Zumindest das zweite Telefonat – bei dem der zweite Gast nachgemeldet wurde – führte man offenbar auf Deutsch (Quelle) – das erste auf Englisch? Sowenig die Details der Telefonate überliefert sind, so klar ist aber auch, dass es zwischen der deutschen Anruferin – verschärft durch einen Akzent? – und norwegischen Muttersprachlern (?) in der Rezeption möglicherweise zu Verständnisproblemen gekommen sein könnte. Hatte man im Plaza-Hotel den Namen einfach „nach Gehör“ eingetragen?

Und überhaupt ergibt der englische Vor- und Nachname (der zudem mehr oder weniger ein Phantasie-Name aus dem TV ist) keinen Sinn, wenn doch die erfundene Identität laut Check-in-Formular komplett auf den Wohnort Belgien ausgerichtet ist. Hinzu kommen mehrfache Telefonanrufe auf belgische Nummern, die ja später aus Raum 2805 getätigt werden sollten. Der händisch von der Plaza-Frau eingetragene Ort Verlaine liegt in der Région wallonne, dem französischsprachigen Teil des Beneluxstaates. Hier das Original:

Check-in Formular der Plaza-Frau, Oslo
Oslo Plaza: Das Original-Check-in-Formular von 1995

Jennifer Fairgate … oder Fergate? Es ist gar nicht so schwierig, französische Namen zu finden, die phonetisch ähnlich klingen. Französische Nachnamenregister reichen als Quelle. Die bestpassenden Varianten lauten zum Beispiel:

  • Jean-Yves Fagard – der Name ist wohl vor allem in der an Belgien angrenzenden Picardie verbreitet, Variation: Fagart
  • Jean-Yves Fagède – passt klanglich noch besser, Name ist aber offenbar sehr selten
  • Jean-Yves Faguet
  • Jean-Yves Fagot – typisch in den Departements Lorraine und Nord, damit vermutlich auch in Belgien?
  • u.a.

Wie man sieht, wird also der weibliche Vorname in der Übertragung zu einem männlichen. Was die Sache aber nicht unplausibel macht, denn dann wird eben Lois zu Louise – der tatsächliche Alias-Name der Plaza-Frau, der bei der Buchung eigentlich telefonisch übermittelt werden sollte?

Übrigens: Wird der französische Name nicht 100% korrekt ausgesprochen, also zum Beispiel „fa-geht“ statt „fagee“, ist die klangliche Übereinstimmung ggf. noch größer.

Sicherlich haben am 31. Mai 1995 nicht wirklich zwei Personen mit den Realnamen Louise und Jean-Yves Fagède o.ä. im Plaza Tower eingecheckt, aber möglicherweise ist man bei der Recherche zur Fake-Identität „Jennifer Fairgate“ noch nicht ins richtige rabbit hole gesprungen?

Natürlich kommt die Frage, warum der mysteriöse Hotelgast beim Check-in dann mit Fairgate oder Fergate unterschrieben hat, wenn der vorgedruckte Name doch (doppelt) falsch ist? Ganz einfach: Die eine falsche Identität ist in diesem Fall so gut wie die andere. Vielleicht hätte die Rezeption sogar auf Vorzeigen des Personalausweises oder anderer Papiere bestanden, wenn der Name moniert worden wäre.

-MR

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