Nachgerechnet: Die Geldprobleme der „RAF-Rentner“

Heute mal ein kleines Rechenspielchen zur Serie der Supermarkt- und Geldtransporterüberfälle, mit denen die untergetauchten Ex-RAF-Mitglieder Ernst-Volker Staub, Burkhard Garweg und Daniela Klette angeblich seit 1999 die Polizei in Atem halten. Das Leben im Untergrund ist ja traditionell nicht nur riskant, sondern vor allem auch äußerst kostspielig; rund 2,5 Millionen Euro sollen die Angehörigen der Rote Armee Fraktion seitdem erbeutet (und verbraucht) haben, wie BILD 2018 berichtete.

Spannend wird das Thema Beute, wenn man mal ausrechnet, wie lange das geraubte Bargeld dem RAF-Trio bis zum jeweils nächsten Raub zum Leben gereicht hat. Denn hier zeigt sich, dass der „Monatsverbrauch“ unter Ausschluss eventueller weiterer Geldquellen ziemlich konstant zu sein scheint. Und vorausgesetzt, die Täterschaft liegt in jedem Einzelfall wirklich bei der Ex-RAF – einige Staatsanwälte haben daran ja Zweifel.

Das wird vor allem ab dem Raub im Real-Markt am 30. September 2011 in Celle, Niedersachsen, deutlich. Hier erbeuteten die drei Gesuchten insgesamt „bis 100.000“ Euro, schreibt BILD; bis zum nächsten erfolgreichen Raub in Stade am 24. Dezember 2012 ergibt das pro Monat (100.000 Euro/15 Monate) ein Budget von 6.666 Euro. Sehr ähnliche Zahlenwerte erhält man, wenn man dieselbe Rechnung für die Aktionen in Stade (2012), Osnabrück (2015) und Northeim (2015) aufmacht – nämlich jeweils Summen in einem relativ schmalen Korridor zwischen 6.300 und 6.800 Euro. Nur der Überfall auf den Marktkauf-Supermarkt in Elmshorn 2014 fällt etwas aus der Reihe: 46.000 Euro Beute/4 Monate bis zur nächsten Tat = 11.500 Euro.

Hier eine kleine Übersicht zu den Einkünften der Ex-RAF:

Folgende Schlussfolgerungen erscheinen nahe liegend:

  • Die Monatsausgaben des Trios sind relativ konstant; die meisten Ausgaben entfallen vermutlich auf Fixkosten, über die man nur spekulieren kann (Miete, teure, selbstbezahlte medizinische Versorgung, regelmäßige Reisetätigkeiten, Mitversorgung weiterer im Untergrund lebender Personen o.ä.)
  • Die Verdächtigen warten mit der jeweils nächsten Tat – sofern die Fixkosten-These stimmt – meistens bis zu dem Zeitpunkt, an dem das Geld wirklich knapp wird

Im Prinzip könnte man sogar den theoretischen Termin für die nächste Geldbeschaffung „ausrechnen“. Bei 6.500 Euro Durchschnittsverbrauch pro Monat und 600.000 Euro Beute aus dem Geldtransporter in Cremlingen wäre die nächste Aktion von Garweg, Staub und Kollegen somit erst ab Frühjahr 2023 fällig. Es bleibt jedenfalls spannend.

-MR

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