Die Bombe von Düsseldorf-Wehrhahn … NSU oder Russenmafia oder wer?

Nicht ganz uninteressant, was Udo Schulze in seinem Buch „NSU. Was die Öffentlichkeit nicht wissen soll …“ von 2013 zum Bombenanschlag 2000 in Düsseldorf-Wehrhahn nebenbei erwähnt – nämlich, dass die beiden Phantombilder aus dem damaligen Fahndungsaufruf der Polizei im Netz „nicht mehr auffindbar“ sein sollen (Seite 101).

Damals war der online veröffentlichte Aufruf der Polizei Düsseldorf (soweit rekonstruierbar) unter der URL http://www.polizei.nrw.de/duesseldorf/fahndung/sonstige_fahndung/wehrhahn.htm zu finden; die Betonung liegt auf war. Wann genau diese Seite von den Beamten offline genommen wurde, wäre unter Umständen interessant zu wissen. Mindestens bis zum 29. Oktober 2004 war der Aufruf jedenfalls noch im Internet verfügbar, wenn man den Daten aus archive.org trauen kann.

Immerhin der Text ist überliefert; hier ein Link zum alten Fahndungsaufruf im Webarchiv – in dem es zur Erläuterung hieß: „Mit Hilfe von Bildmontagen wollen die Ermittler jetzt zwei wichtige Zeugen identifizieren, die bei der Aufklärung möglicherweise wichtige Hinweise geben können.“

Mit „Zeugen“ sind hier wohl eher die mutmaßlichen Täter oder Komplizen gemeint (?).

Immerhin lässt sich noch ermitteln, dass die beiden auf der Fahndungsseite veröffentlichten mugshots der am Tatort gesehenen Personen die Dateibezeichnungen wehrhahn5.jpg und wehrhan6.jpg [sic!] trugen, was aber auch keine wirklich interessanten Erkenntnisse liefert.

Die beiden Fahndungsbilder sollen angeblich auch rund zwei Monate nach der Tat im Rahmen einer Pressekonferenz bei einer Vorstellung diverser Asservate vom Tatort in den Räumen der Kantine der Düsseldorfer Polizei den Medienvertretern gezeigt worden sein. Offenbar handelte es sich um computergenerierte Bilder, die von den Beamten auf Grundlage von Zeugenaussagen erstellt worden waren, wie unter anderem DIE ZEIT seinerzeit berichtete.

Aufschlussreicher allerdings könnte die Tatsache sein, dass die Phantombilder im Laufe der Ermittlungen wohl auch in der Moskauer U-Bahn geklebt worden waren, wie einem Artikel in der Online-Ausgabe der Rheinischen Post zu entnehmen ist.

Tja, aber wann und vor allem warum wurden die Bildchen überhaupt aus dem Verkehr gezogen (so wie die ganze Online-Fahndung weitestgehend eingestellt wurde), wenn die Täter bisher nicht ermittelt werden konnten? Ist dies wirklich der mangelnden Ähnlichkeit der Montagen zu bekannten NSU-Leuten geschuldet, wie Schulze fragt? Allerdings sind bisher wenige ernsthafte Versuche unternommen worden, die Detonation mit zehn Verletzten dem NSU „unterzujubeln“. Einiges an der Sache passt zum NSU, anderes nicht.

Skurriles Detail am Rande: Schaut man sich das HTML der alten Seiten der Polizei NRW zum Bombenanschlag an – speziell den Code, der zum Online-Formular für Hinweisgeber gehört -, findet man die Angabe „Fahndungsgrund (…) Diebstahl mit Millionenbeute.“ Häh?!

Quellcode Fahndungsaufruf

-MR

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