Klimagefährder Windkraft?

Schockwellen hatte sie trotz ihrer für viele wohl überraschenden Befunde ja nicht gerade ausgelöst, die 2004 veröffentlichte Studie mit dem Titel The influence of large-scale wind power on global climate. Selbst eingefleischte Klimaskeptiker brachten seinerzeit kaum mehr als einige (allerdings auf höchst oberflächlicher Lektüre basierende) hämische Kommentare zu Papier – oder ins Fernsehen (Fox News etc.). Schade eigentlich. Denn das spröde Datenwerk lohnt genauer rezipiert zu werden, spannend und anregend sind die Analysen des Forscherteams um David Keith, Professor an der University of Calgary, nämlich allemal.

Kommen wir direkt zur Sache. Wie die Wissenschaftler durch Modellreihen herausfanden, können Windparks eine nicht zu vernachlässigende („nonnegligible“) Wirkung auf das kontinentale Klima haben, genauer gesagt: Sie können offensichtlich unter gewissen Umständen sogar zur lokalen Erwärmung beitragen. Wie das? Erklären wir es plastisch: Die Rotoren der Windparks schaufeln warme Luft aus höheren athmosphärischen Schichten abwärts bzw. erzeugen Wärme aufgrund der durch die Bewegung entstehenden Reibung, zugleich bremsen sie den Wind ab – die Studie nennt den Faktor minus 40% – und stören damit den Windfluss in Bodennähe – ein Effekt, der vor allem dadurch an Bedeutung gewinnt, dass der Wind eben nicht nur kinetische Energie transportiert, sondern auch Wärme und Luftfeuchtigkeit.

Moment mal: Die Windkraft ein Klimakiller? Die Forscher beeilen sich zwar bereits in der Einleitung, einen schädigenden Einfluss der beschriebenen Phänomene auf das globale Klima ausdrücklich zu verneinen (O-Ton: „currently negligible in comparison with other anthropogenic climate forcings…“), doch gilt es zu fragen, ob derlei Beteuerungen nicht vor allem als Zugeständnisse an den in der Klimazunft bekanntlich rabiat verteidigten scientific consensus  zu werten sind, oder vereinfacht gesagt: an die Dogmen der Political Correctness. Soviel scheint jedenfalls klar, denn so können die Befunde der Studie eben auch interpretiert werden: Die Windkraft kann ihren Status als Klimaretter nur dann verteidigen, wenn sich erweist, dass (1.) Windparks das Klima weniger negativ beeinflussen, als diejenigen CO2-erzeugenden Energiequellen, die sie ersetzen, bzw. wenn (2.) die These von der akuten Klimaschädlichkeit des CO2 überhaupt von Tatsachen gedeckt ist. Da letztere Weisheit nicht erst seit Fritz Vahrenholts Kalter Sonne an Fragwürdigkeit gewinnt, könnte die Diskussion um Pro und Contra der Windkraft vielleicht noch mal spannend werden.

Die Originalstudie gibt’s übrigens hier: http://www.pnas.org/content/101/46/16115.full

-MR

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