N24: Hitlers Leiche, Linzer Torte

Trügt eigentlich der Eindruck, oder laufen auf N24 wirklich den ganzen Tag über nur Katastrophen-, Knast- und Kriegsdokus? Dem (vermutlich agenturbetreuten, jedenfalls PR-Sprech-belasteten) Wikipedia-Artikel zufolge liefert uns der Nachrichtensender „bildstarke Dokumentationen und Reportagen über geschichtliche, technische und populärwissenschaftliche Themen“ ins Haus; wirklich falsch ist diese offiziöse Beschreibung ja nicht, zappt man aber vor allem zu späterer Stunde mal auf den Nachrichtensender, dominieren gefühlt mehr oder weniger fünf Themenbereiche den Doku-Mix: Militär- (konkreter: Spezialeinsätze der USA ab 2001 ff., verlorene Schlachten der Wehrmacht) und Nazihistorie („Auf der Suche nach Hitlers Leichnam“), Mystery/Okkultismus (Area 51, „Moderne Geisterjäger“), Flug- und Schiffskatastrophen (Titanic, Freak Waves) sowie der Weltuntergang in allen nur irgendwie denkbaren Varianten – wobei die tödlichen Bedrohungen von den Doku-Machern bevorzugt in den Weiten des Weltraums (Asteroiden, Aliens, schwarze Löcher, rote Riesen usw.) verortet werden. Die übrigen Doku-Titel wie „Superteleskope“ oder „Wie die Linzer Torte gebacken wird“ wirken inmitten von soviel Grusel-, Angst- und Apokalypsen-TV schon fast skurril und deplatziert.

Wir haben mal in Sachen Sendezeit pro Format/Doku-Thema nachgerechnet. Wertet man das Programm der 33. Kalenderwoche (11. bis 17. August 2014) exemplarisch aus, zeigt sich in der Tat wie erwartet eine recht klare Verteilung bzw. ein Übergewicht der oben skizzierten Themen im Doku-Programm des Nachrichtensenders. Im genannten Wochenzeitraum sendete N24 Dokus in einem Gesamtumfang von 5.833 Minuten, also 97,21 Stunden, was einen Anteil von 57% des gesamten Wochenprogramms ausmacht. Von diesen 5.833 Minuten entfallen insgesamt 3.077 auf – nennen wir es einfach mal so – „Krawall-Dokus“, was einem prozentualen Anteil von rund 53% an allen in KW 33 ausgestrahlten Dokus entspricht (oder umgerechnet etwas mehr als zwei vollen Tagen). Gliedert man die Sendedauer nach einzelnen Rubriken auf, landet der Themenkomplex Krieg/Nazi/Militär mit stattlichen 20,3% und 1.186 Minuten im Doku-Mix auf dem Spitzenplatz. Rang 2 entfällt mit 764 Minuten und 13,1% der Doku-Sendezeit auf Katastrophen- und Weltuntergangsdokus. Dahinter folgen noch die Sparten Kriminalität (9%), Okkultismus/Mystery (5,6%) sowie das Genre der Knastreportagen (4,6%).


Setzt man die einzelnen Formate in Beziehung zur Gesamtsendezeit (60 x 24 x 7 = 10.080 Minuten pro Woche), so entfiel bei N24 in KW 33 immerhin noch ca. 30% der Sendedauer auf Krawall-Dokus; hierbei zeigt sich, dass die Kriegs-/Nazi-Dokus 11,8% der gesamten Sendezeit ausmachen - während die Apokalypsendokus immerhin noch respektable 7,6% erreichen (Platz 3: Gangster/Terror, 5,2%; Platz 4: Mystery, 3,2%; Platz 5: Knast-Dokus, 2,7%). Eine Dominanz des Doku-Spitzenreiters, der Kriegs-/Nazi-Reportagen, lässt sich im untersuchten Zeitraum vor allem zur Geisterstunde feststellen: In der Nacht vom 16. auf den 17. August (Samstag/Sonntag) konnte der N24-Zuschauer seine Einschlafstörungen mit einem fast sechsstündigen Nazi-Doku-Marathon zu bekämpfen versuchen; beginnend mit dem "UFO-Projekt der Nazis" (ab 23:05; wiederholt um 03:10) weiter mit Berichten zum "Überleben am D-Day" und der bereits erwähnten "Suche nach Hitlers Leichnam" - bis zu den Nazis der Gegenwart: "American Skinheads" (03:55) (Wer Rechenfehler findet: bitte melden, wird korrigiert) -MR

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