Mit was bombt eigentlich die Admiral Kusnezow?

Werden von Bord des russischen Flugzeugträgers Admiral Kusnezow (oder engl. Admiral Kuznetsov) überhaupt Luft-Boden-Angriffe auf Ziele in Syrien geflogen? Oder beschränkt sich der aktuelle Einsatz – zumindest weitgehend – auf Aufklärungsmissionen und Selbstschutz des Flottenverbands (also das, was man im NATO-Jargon Combat Air Patrol nennt)? Wer sich die offiziellen Video-Reportagen von RT oder TACC aus jüngster Zeit anschaut, sieht jedenfalls unter den Tragflächen der startenden bzw. für den Einsatz auf dem Deck geparkten Suchoi-33 und MiG-29 fast nur nur Luft-Luft-Raketen der Typen AA-10 Alamo und und AA-II Archer hängen – eine Tatsache, die unter anderem auch den Beobachtern des US-Magazins Popular Mechanics mittlerweile aufgefallen ist (aktueller Artikel hier). Was eigentlich Anlass für die Frage wäre: Warum die Hysterie in den westlichen Medien um die Verlegung des einzigen russischen Trägers ins Mittelmeer, wenn der „Admiral“ sich an direkten Kampfeinsätzen gegen Rebellen nicht – oder jedenfalls kaum – beteiligt?

Doch zunächst zurück zum Thema: Nur in einigen kurzen Szenen vom Flugdeck des 61.000-Tonnen-Schiffs sind eindeutig Luft-Boden-Waffen zu sehen – wie im Video von RT unten im Player, ab Minute 0:44 sehen wir den Reporter unter einer Su-33 stehen, direkt neben einem der beiden mittleren Pylone, an dem eine Bombe montiert ist, von der wir allerdings nur die Frontseite zu sehen bekommen. Es handle sich hierbei um eine 500-Kg-Bombe, erfahren wir vom RT-Journalisten; außerdem sei in der Waffe ein (wie man sieht bereits eingeschraubter und noch gesicherter) Abstandszünder montiert, der die Ladung in einer Höhe von 1,5 Metern zur Detonation bringt, also nicht erst beim Aufschlag auf den Boden.

Aber was für eine Bombe ist das überhaupt? Einigen Beobachtern zufolge (Beispiel: The Saker oder @CombatAir auf Twitter) soll es sich um ein Exemplar des Sprengbombentyps (HE) FAB-500M oder genauer FAB-500M-52 bzw. -54 handeln. Wertet man allerdings einige der anderen einschlägigen Online-Quellen für Militärtechnologien aus und betrachtet speziell die Form der Bombenspitze bzw. des Bereichs rund um den Zünder, so kommen Zweifel auf, ob es sich hier wirklich um ein solches Standardmodell handelt.

Die 500-Kilogramm-Bombe, bereit zum Einsatz?

Die 500-Kilogramm-Bombe, bereit zum Einsatz? Quelle: RT / https://www.youtube.com/watch?v=Qg2yEwIPDFY

Die Bombe im RT-Video zeichnet sich wie man leicht erkennen kann durch eine insgesamt stark abgeflachte, dabei aber kantig wirkende Spitze aus; bei dem zum Beispiel auf cmano-db.com abgebildeten Modell (http://cmano-db.com/weapon/1578/) einer FAB-500M erscheint die Spitze aber insgesamt deutlich langgestreckter und abgerundeter. Die fehlenden bzw. unauffälligen Schweißnähte (zum Vergleich: Video von der Basis in Hmeymim ab 0:19; ohne Belege, dass es sich um die FAB-500M handelt – ggf. ein leichterer Typ) sprechen auch nicht gerade dafür, dass es sich bei dem auf RT gezeigten Fabrikat um eine massenhaft produzierte Billigwaffe des russischen Militärs handelt, jedenfalls keine aus (womöglich sowjetischen) „Altbeständen“. Hier kommt offensichtlich Gerät einer neueren Generation zum Einsatz.

Als relativ wenig hilfreich erweist sich an dieser Stelle leider die Webseite des bulgarischen Herstellers DUNARIT Corp. – denn das einzige 500-Kilogramm-Modell aus dem unternehmenseigenen Bombensortiment, das von der Waffenschmiede aus Sofia mit Bild vorgestellt wird, zeigt eine Bombe der Variante FAB 500-M 62 mit sehr konventioneller, schmal zulaufender Spitze. Praktisch dasselbe gilt für die Produktbeschreibung bzw. die Informationen auf der Homepage des Waffenhändlers Armaco JSC., die man hier findet.

Bedauerlicherweise ist auch aus einer etwas anderen Kameraperspektive nichts genaues in Sachen Bombentyp zu erkennen, wie dieses Standbild einer gefechtsbereiten Su-33 aus einem RT-Bericht zeigt – sofern es sich hier überhaupt um dieselbe Bewaffnung handelt, was der Bericht im russischen Fernsehen aber durch den Schnitt in jedem Fall suggeriert.

Su-33 mit zwei Bomben

Su-33 mit zwei Bomben. Quelle: RT / https://www.youtube.com/watch?v=Qg2yEwIPDFY

Schon etwas einfacher zu identifizieren sind die Bomben, die RT in diesem Video vom Deck der Admiral Kusnezow zeigt – ungefähr ab Minute 0:58. Das Kriegsgerät wird hier offensichtlich gerade für den Einsatz in Syrien, d.h. für die Montage unter einer Su-33 bzw. MiG-29 vorbereitet und übers Flugdeck gerollt. Hier ein Standbild aus dem Film, der besseren Erkennbarkeit halber stark aufgehellt:

Bomben auf dem Flugdeck der Admiral Kusnetsov

Bomben auf dem Flugdeck der Admiral Kusnezow. Quelle: RT / https://www.youtube.com/watch?v=ZwwIZU4cbLw

Im Vordergrund: Mit großer Sicherheit zwei Bomben des Fabrikats FAB 500-M 62, auch wenn die Heckflosse mit den Verstärkungen (?) etwas anders aussieht als auf der Website von DUNARIT (siehe Link zur detaillierten Beschreibung oben). Dahinter auf dem zweiten Wagen vermutlich zwei ebenfalls nicht-gesteuerte, freifallende Spreng- und Splitterbomben der Sorte FAB 250-270; dies legt jedenfalls die markante Heckpartie mit den Stabilisatoren nahe. Beides jedenfalls soweit man erkennen kann Standardausrüstung der russischen Luftwaffe.

Russland-Kenner, die genauere Infos zum Thema haben: Immer her damit!

-MR

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